1918
von Karl Menser
»Unser einheimischer Bildhauer Karl Menser hat eine Gruppe 1918 geschaffen, die voraussichtlich im Garten des Alten Zollgeländes zur Aufstellung gelangen wird. Das Werk, das in Muschelkalk zur Ausführung gelangen würde, ist in einer Gesamthöhe von fünf Metern gedacht; der Sockel würde zwei Meter und die Gruppe drei Meter hoch gestaltet werden. Einer unserer bedeutendsten Kenner auf dem Gebiet der Plastik, Geheimrat Prof. F. Winter (Bonn) äußerte in einem Briefe an Herrn Beig. Bottler über die Gruppe:
„(...) Sie bringt das tragische Schicksal, das über unser Vaterland hereingebrochen ist, mit einer Kraft des Ausdrucks, mit einer zugleich ergreifenden und erhebenden Wirkung zur Darstellung, wie wir sie gleich oder ähnlich nur in den klassischen Werken der Antike und Renaissance erreicht finden.
In den beiden Gestalten der Gruppe ist alles Persönliche, alles Individuelle unterdrückt, die Darstellung ist der zu Grunde liegenden Idee entsprechend allgemein gehalten und erhebt sich durch die Nacktheit der Figuren über die Allgemeinheit hinaus ins Ideale. Die Gestalten verkörpern das deutsche Volk und geben in der Art, wie Mann und Frau in enger Vereinigung sich zusammen schließen und das Leid gemeinsam tragen, wie sie von tiefstem seelischem Schmerz erschüttert, doch nicht niedergebeugt sind, sondern aufrecht stehen - die Frau im Schutze des Mannes, der Mann seiner ungebrochenen Kraft sich bewußt und, mit der geballten Faust auf dem Rücken, zur Wiedergewinnung des Verlorenen entschlossen und bereit - ein Idealbild des deutschen Volkes.“«
(General-Anzeiger, 16. September 1919)
