Kekulé-Denkmal (A 170)
von Hans Everding
Aus der Bonner Zeitung vom 10. Juni 1903:
»Ein prachtvoller Sommertag war der gestrigen Einweihung des Kekulé-Denkmals beschieden. Die Sonne, die seit Tagen nicht mehr hell geschienen hatte, stand leuchtend über dem Festplatz vor dem Chemischen Institut und tauchte die bunten Farben der Fahnen und Wimpel, die sich dort im leichten Nachmittagswinde blähten, in flüssiges Gold. Der Platz selbst war für die Einweihungsfeier auf das Schönste hergerichtet worden. Gegenüber dem noch verhüllten Denkmal befand sich eine niedrige Estrade, auf der für die Fürstlichkeiten und Ehrengäste Plätze vorgesehen waren [...]
Kurz vor 4 Uhr begann der Festplatz sich schnell zu füllen. Unter den Ankommenden befanden sich zahlreiche Angehörige der Universität und der Poppelsdorfer Landwirtschaftlichen Akademie, Vertreter der Städtischen Behörden von Bonn mit Oberbürgermeister Spiritus an der Spitze, der Bürgermeisterei Poppelsdorf und des Landkreises Bonn mit Landrat von Sandt, sowie zahlreiche Ehrengäste von hier und auswärts, darunter Regierungspräsident von Balan und Mitglieder der Familie Kekulé. Etwas später traf die Studentenschaft unter klingendem Spiel vor dem Denkmal ein. [...]
Nach kurzer Begrüßung der Herrschaft betrat Professor Anschütz das Rednerpult und eröffnete die Feier. Er bat den Prinzen Eitel Friedrich, das Zeichen zur Enthüllung zu geben, worauf dieser mit lauter Stimme, die Rechte salutierend an den Helm gelegt, die Worte sprach: „Es falle die Hülle.“ In diesem Augenblick rauschte der braune Leinenvorhang herab, und das Standbild Kekulés – bekanntlich das Werk des in Rom lebenden Bildhauers Hans Everding – bot sich, von den Strahlen der Sonne hell beleuchtet, zum ersten Male den Blicken der Festversammlung dar. Gleichzeitig intonierte die Kapelle des Infanterieregiments den Chor „Seht da kommt er“ aus Judas Maccabäus von Händel, und aus der Ferne zogen die feierlichen Klänge der Poppelsdorfer Glocken über den Festplatz hin. [...]
Bis in die Spätnachmittagstunden wogte die Menge vor dem Platze in feierlicher Stimmung auf und ab. Mit Einbruch der Dunkelheit trat die Studentenschaft im Hofgarten zu einem Fackelzuge an und legte am Grabe Kekulés auf dem Poppelsdorfer Friedhof einen Kranz nieder.«
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