200 Jahre Bonner Karneval
Zum Jubiläum des traditionellen Straßenkarnevals feiert ein neu geschaffenes Fassadenkunstwerk das bunte Treiben in historischer Kulisse.
Die Wurzeln des Karnevals reichen in Bonn bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der organisierte Karneval als Fest für alle Bonner Bürger kann jedoch in den Februar 1826 datiert werden, als sich die »Bönnsche Karnevalsgesellschaft« gründete. Anlässlich des diesjährigen 200-jährigen Jubiläums engagierte sich die Dr. Hans Riegel-Stiftung zusammen mit dem Festausschuss Bonner Karneval für ein thematisch passendes öffentliches Kunstwerk in der Innenstadt.
Mit der Reihe »Walls of Vision« realisiert die Stiftung seit mehreren Jahren großflächige Fassadengemälde - sogenannte Murals, für die Urban-Art-Künstler historische Kunstwerke aufgreifen und in zeitgenössischer Interpretation in den öffentlichen Raum holen. Im November 2025 wurde das Karnevals-Mural an der Fassade des Eckhauses Friedensplatz/Friedrichstraße ausgeführt, als Vorbild diente das Gemälde Prinz Heinz V. Karneval 1936 in Bonn des Bonner Malers Carl Nonn (1876-1949). Der auf Freiluftmalerei spezialisierte Nonn war selbst begeisterter Karnevalist. Lena Ortmann und Stefan Vogt vom Künstlerkollektiv Highlightz übertrugen sein Gemälde in ein monumentales Format und blieben dem Originalmotiv dabei weitgehend treu.
Die Szene zeigt den Bonner Rosenmontagszug vor 90 Jahren und macht die traditionelle Verwurzelung des Karnevals deutlich. In der historischen Stadtkulisse ist der prunkvolle, von einem Pferdegespann gezogene Festwagen des Prinzen der Mittelpunkt des Geschehens. Goldglänzend und mit drei Löwenköpfen verziert, biegt er gerade auf den Remigiusplatz ein. Menschenmengen säumen den Zug, die zumeist verkleideten Zuschauer drängen sich auf der Straße oder verfolgen das Geschehen aus den Fenstern, Kinder bücken sich, um Kamelle einzusammeln. Die auf 1936 datierte Szenerie unterscheidet sich also nur wenig vom heutigen Straßenkarneval. Das bunte, festliche Treiben hat eine zeitlose Gültigkeit, das gemeinsame Feiern der ausgelassenen Jecken setzt alljährlich für kurze Zeit die Konventionen außer Kraft.
Dennoch spielt sich auch der Karneval nicht unabhängig von Politik und Zeitgeschehen ab. 1936 war er bereits weitestgehend nach NS-Ideologie gleichgeschaltet und wurde propagandistisch genutzt. Eine kritische Einordnung des Bildes von Carl Nonn soll im Rahmen des 200. Jubiläums auf der Website des Festausschusses Bonner Karneval in einem digitalen Rundgang zur Geschichte des Bonner Karnevals erfolgen.
